Wehret den Anfängen

Ich bin ja schon vor einer ganzen Weile dazu übergegangen meine politische Meinung nicht nur über meinen Blog und meine Social Media Kanäle zu teilen, sondern zu versuchen in meiner Arbeit auch aktiv etwas tun zu können um den Menschen zu helfen, die von dem Hass der rechten Hetzer am meisten betroffen sind:

Geflüchtete Menschen.

2015 und 2016 organisierte ich zusammen mit meinen ehemaligen Bürokolleg*innen in der Blogfabrik die Spendenaktion #helpdonthate bei der wir in beiden Jahren insgesamt über 28.000 € für verschiedene Hilfsorganisationen sammeln konnten.

Außerdem sammelte ich bei Charity Dinnern über 5000 € die ich größtenteils Pro Asyl und Jugend Rettet e.V.  spendete.

Die Seenothilfe Jugend Rettet e.V. (deren Boot mittlerweile beschlagnahmt und somit ihre Arbeit boykottiert wurde) habe ich auch bei zwei ihrer Mitarbeiterversammlungen in Berlin mit Catering versorgt, natürlich ohne Honorar.

Ich erzähle euch das nicht um damit zu sagen wie ach so toll sozial ich bin, sondern um zu zeigen, dass man solche Spendenaktionen ganz einfach auch im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis organisieren kann.

Das ist die eine Seite, überall gibt es Hilfsorganisationen, Sozialeinrichtungen und Vereine, die dringend finanzielle und Hilfe in Form von Mitarbeit benötigen können.

Doch wenn ihr die Möglichkeit habt zu helfen, hört da nicht auf:

Redet auch drüber.

Ob im Internet für jeden sichtbar, bei der nächsten Familienfeier, auf Arbeit, im Bus wenn jemand etwas Rassistisches sagt.

Wenn jemand mit „Ich bin ja kein Nazi, aber…“ anfängt, kontert.

Habt keine Angst, erhebt eure Stimme.

Lasst uns auf die Straße gehen, lasst uns unsere Bundestagsabgeordneten kontaktieren (höflich bleiben), hier könnt ihr finden wer für euch zuständig ist!

Wenn man das zusammen mit anderen macht, wird es noch solidarischer und einfacher:

Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen.

„Wehret den Anfängen“ lautet das Zitat, das ursprünglich auf einen Vers des lateinischen Dichters Ovid zurück geht, wurde aber nach dem Ende des zweiten Weltkriegs zu einem symbolischen Schlüsselsatz im Zusammenhang mit den Verbrechen des Dritten Reichs.

Immer wieder habe ich im Zusammenhang mit meinen „Anti-Rassismus“-Posts meine eigene Familiengeschichte erwähnt. Meine Familie väterlicherseits, die zu Kriegsende aus dem Gebiet des ehemaligen Ostpreußen fliehen musste.

Die Eltern meines Vaters, die beide als Zivilbeamte bei der Wehrmacht in Prag arbeiteten, wo sie sich in den Wirren des Krieges verliebten.

Die Sirenen der Luftschutzbunker und der sich vor Kampffliegern verdunkelnde Himmel sind die ersten Kindheitserinnerungen meines Vaters, der zusammen mit meiner Großmutter vor den Toren Dresdens nur knapp dem verheerenden Bomben-Inferno entging.

Die Familie meiner Mutter, die allesamt begeisterte Nazis waren.

Der Großonkel meiner Mutter, der dem Blutorden angehörte und bei Hitlers Marsch auf die Feldherrenhalle mit dabei war.

Meine Urgroßonkel, die beide hochdekorierte Wehrmachtsoffiziere waren.

Meine Großtante, die als Blitzmädchen in der Wehrmacht arbeitete.

Meine Urgroßmutter, die Hitler vor der Machtergreifung glühende Briefe der Verehrung ins Gefängnis schrieb und 1933 beinahe zur Reichsfrauenführerin ernannt worden wäre.

Mein Großvater, der Vater meiner Mutter, der freiwillig im Spanischen Bürgerkrieg in der berüchtigten Legion Condor auf der Seite des rechtsgerichteten Diktators Franco kämpfte.

Guernica, da klingelt vielleicht was?

Das ist meine Familiengeschichte.

Keine Erbschuld, aber eine Verantwortung die ich fühle und mit mir trage.

Deshalb habe ich beschlossen mir „Wehret den Anfängen“ tätowieren zu lassen.

Nicht unbedingt um mich selber zu erinnern, sondern ruhig auch so, dass es jeder sieht mit dem ich rede. Als Zeichen. Gegen Fremdenhass. Null Toleranz für Rassismus.

2019 habe ich mir „Wehret den Anfängen“ auf den Oberarm tätowieren lassen.

Als sichtbares Zeichen des Wiederstands.

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